Von links:
Mathilde von Canossa
Reitergemälde;
Kopie eines verlorenen Parmigianino-Gemälde
bei Antonio Villa;
Mathilde von Canossa
(Ende des IX. Jh.)
Fresko in der Kirche San Pietro/Pfarrkirche von Guastalla.
Die Canossas stammten aus Siegfried, Mitglied einer langobardischen Familie von Lucca. Sein Nachkomme, Adalbert Atto II. (Y 988), beschäftigte sich zum ersten Mal mit der Befestigung der emilianischen Hügel. Ihm folgten Theodald und der kluge Bonifax, Mathildes Vater. Nach dessen Mord im Jahr 1052 und dem vorzeitigen Tod eines Bruders und einer älteren Schwetser, empfing die neunjährige Mathilde 1055 ein Landesgebiet als Erbschaft, das sich von der Toskana bis nach Mantua erstreckte. Bei Gottfried dem Buckligen aus Lothringen, den sie nur aus politischen Gründen heiraten mußte, blieb sie nicht lange. Einmal zurück in Italien kümmerte sich Mathilde um die mühevolle Verwaltung ihrer Länder, gerade an dem Moment, wenn Papstum und Kaisertum in Streit gerieten. Hauptfiguren dieses berühmten Zusammenstosses waren ein Mönch namens Hildebrand, der 1073 als Papst Gregor VII. aufgerufen wurde, und der junge Kaiser Heinrich IV. Nach dem Worms-Konkordat wurde Hildebrand abgesetzt und verleumdet. Mathildes Mann, der für den Kaiser Partei genommen hatte, wurde später ermordet. Nachdem sich aber die deutschen Fürsten gegen die kaiserliche Übermacht plötzlich aufgestellt hatten, wurde der schon exkommunizierte Heinrich während des Tribur-Konzils hart bestritten. Zur endgültigen Klärung wollte sich Papst Gregor nach Deutschland begeben, aber bei der unerwarteten und bedrohenden Ankunft des Kaisers fand er in Mathildes Burg von Canossa einen günstigeren Zufluchtsort. Hier, nach einer langen Verhandlung am 26. Januar 1077, bekam der unter die Burgmauer in Büßerhemd gekommene Kaiser die päpstliche Verzeihung. Doch dieser wesentlich politischen Demutsbezeugung folgte ein noch längerer und grausamer Krieg. Papst Gregor starb 1086 und 1088 mußte Mathilde den jungen Welf aus Bayern heiraten, obwohl auch dieses Ehe nur sieben Jahre dauerte. 1092, zwischen Bianello und Canossa, konnten ihre Truppen die nach Rache strebende kaiserliche Amee in die Flucht schlagen. Danach kümmerte sie sich überwiegend um die Befestigung und Erweiterung des eigenen Landbesitzes. Dank Mathildes Unterstützung wurden Kirchen, Kathedralen, Armenhäuser und die Universität von Bologna errichtet bzw. gefördert. 1111 empfing sie in Bianello den neuen Kaiser Heinrich V. (Sohn ihres größten Feindes), der sie zur Vizekönigin Italiens krönte.
Mathilde starb in Bondeno di Roncore am 24 Juli 1115 und wurde in dem Kloster von San Benedetto in Polirone begraben. Seit 1632 ruht sie in der Peterskirche von Rom, wo Bau- und Bildhauermeister Bernini ein monumentales Grabmal aufgebaut hatte.
 
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